Jah.5. Nr.2



NICHTS ALS DAS EVANGELIUM

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 Vorwort des Herausgebers
 Was ist Evangelium
 Das wahre Problem, vor dem die Kirche steht
 Leserbriefe

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Vorwort des Herausgebers

 

Die alten Lutheraner des 16. Jahrhunderts pflegten zu sagen, die richtige Unterscheidung zwischen Gesetz und Evangelium sei das helleuchtende Licht der Reformation. Luther bemerkte, ein Mensch der zwischen Gesetz und Evangelium richtig zu unterscheiden wisse, gehöre an den Kopf der Tafel und könne ein Doktor der Theologie genannt werden, auch wenn er dazu nicht geschult sei.

 

Wir sollten uns nicht selbst betrugen und meinen, wir hatten in der Predigt zwischen Gesetz und Evangelium immer richtig unterschieden. Beides, Gesetz und Evangelium, mul3 verkündigt werden, wenn wir jedoch beides wie die Reformatoren verstehen, dürfen sie nicht miteinander »vermengt und vermischt« werden. Wie viele Evangelisten begreif en heute, daß die Predigt von Christi Werk in uns (Heiligung) eine Predigt des Gesetzes ist? Wie viele verstehen, dal3 Christi Kommen in unser Herz, um uns zu erlösen, in Wirklichkeit eine Predigt der Erlösung durch das Gesetz ist?
Ich hoffe, daß unsere Leser den Artikel unseres Freundes Paxton »Was ist Evangelium?« sorgfältig lesen werden. Sie werden sicherlich sonst manches überlesen. Paxton besitzt die Gewohnheit, Dinge so frei auszusagen, daß sie schockierend wirken. Einst schrieb er in dieser Zeitschrift, daß die Wiedergeburt uns nicht erlöst. Viele Leser begehrten auf und riefen Irrtum, Irrtum (Irrlehre, Irrlehre). Dieser Mann leugnet die Wiedergeburt. Ich glaube, unsere Gegner wu
ßten es besser. Pax­ton hat sie an einer empfindlichen Stelle getroffen, und um nicht zugeben zu müssen, daß sie sich ei­ner Verdrehung des Evangeliums schuldig machen, verbargen sie es lieber hinter der Aussage: Dieser Mann leugnet die Wichtigkeit der Wieder­ geburt. Selbstverständlich ist die Bedeutung der Wiedergeburt nie in Frage gestellt worden.


Doch Paxton ist nicht so empfindlich. Wie der alte Jeremia tritt er vor, fügt einige Worte über das Evangelium hinzu und erklärt, was Evangelium ist und was es nicht ist. Ehe jemand ausruft: Paxton, »das viele Lernen macht dich rasend« sollte er lie­ber vorher seinen Artikel sorgfältig lesen und befolgen!        

 

– This editorial was written by the former editor and appears in Wahrheit für Heute Vol. 5, #2.

 

 

Was ist Evangelium?


 

Manche Fragen erscheinen uns geradezu primitiv. Zu fragen »was ist Evangelium« klingt so simpel wie die Frage: »Wer ist Jesus Christus?«, oder »>worüber handelt die Bibel in Wirklichkeit?« Fast jeder in der Kirche ist davon überzeugt, daß) er weiß, was das Evangelium ist. Eine solche grundsätzliche Frage kommt ihm deshalb vor, als wollte man ihn auffordern, das Alphabet auf-zusagen. Doch wenn wir die Bedeutung des Evangeliums nicht voll erfassen, müssen wir al-les in Frage stellen, was wir tun. Dieses Infragestellen enthalt ein großes Risiko, wir konnten nämlich erfahren, dal3 wir nicht richtig stehen. Dem menschlichen Herzen ist es noch nie leicht gefallen, einen Fehler zuzugeben. Dies ist auch heute noch so. Wenn wir nach einer Antwort auf unsere gestellte Frage suchen, müssen wir mit der Möglichkeit rechnen, einen sehr entscheidenden Punkt im Christentum nicht verstanden zu haben.

Laßt uns deshalb demütig vor Gott sein und dieses Risiko auf uns nehmen.

Die wesentlichen Faktoren des Evangeliums

Es gibt Eigenschaften, die sowohl auf ein, wie auch auf andere Wesen oder Dinge zutreffen. Zum Beispiel besitzt ein Pferd vier Beine. Dasselbe trifft auch für eine Kuh zu. Eine solche allgemeine Beschreibung wird uns nicht viel helfen.das Wesentliche zu erkennen. Um die wesentliche Natur einer Sache zu erkennen, müssen wir solche charakteristischen Merkmale aufzahlen, die andere Dinge nicht besitzen.

 

Derselbe Grundsatz gilt für die Bestimmung des Evangeliums. Auch hier müssen wir solche Merk­male finden, die ausschließlich auf das Evange­lium zutreffen und nicht auch auf etwas anderes. Merkmale, die sowohl dem Evangelium, als auch anderen Dingen eigen sind, taugen nicht, das Evangelium zu bestimmen. Darum heißt auch die Oberschrift unseres Artikels »wesentliche Fakto­ren" des Evangeliums. Wir wollen nun diese we­sentlichen Faktoren betrachten:

I. Die Hauptsache des Evangeliums stellt Jesus Christus dar

Jesus Christus ist nicht nur im Evangelium eingeschlossen, er ist das Evangelium. Es scheint mir sehr wichtig zu sein, Jesus von den anderen Personen der Dreieinigkeit im Evangelium zu unter-scheiden.

 

Wir sagten, »Jesus ist das Evangelium«. Wir können nicht sagen »der Vater ist das Evangelium«, oder der »Heilige Geist ist das Evangelium«. Wohl sind Vater und Heiliger Geist im Evangelium ein-geschlossen, aber sie sind nicht das Evangelium. Das Evangelium ist das Handeln (Leben) und Sterben (Tod) Jesu Christi, nicht aber Leben und Tod des Vaters oder des Heiligen Geistes. Obwohl Jesus den Vater im Evangelium verherrlicht, so hat es weder den Vater noch den Geist zum Mittelpunkt.

 

Um das Evangelium ausführlich zu erklären, müs­sen wir wissen, wer Christus ist und was er für uns getan hat. Wir müssen wissen, was der Vater durch Jesus Christus für uns vollbrachte und was Jesus Christus durch die Macht des Heiligen Gei­stes in uns tut. Wie wir sehen werden, muß Jesus in der Predigt des Evangeliums immer die Mitte ein-nehmen. Was vom Vater und vom Heiligen Geist in der Predigt des Evangeliums gesagt wird, kann immer nur in Verbindung mit Jesus Christus geschehen.

 

Wir betonen ebenso, daß wir Jesus Christus vom Gläubigen in der Predigt des Evangeliums unter-scheiden müssen. So wenig wie das Evangelium Vater und Heiliger Geist sind (wie wir oben gesehen haben), so wenig ist es auch der Gläubige. Evangelium ist nur Jesus Christus. Obwohl es etliche nicht wünschen, vom Gläubigen als einem ins Evangelium eingeschlossenen Wesen zu sprechen, können wir doch sagen, daß der Gläubige durch Jesus Christus ins Evangelium einbezogen ist. Er ist durch seinen Stellvertreter Jesus Christus vertreten. Der Gläubige lebt und stirbt in Jesus Christus.

 

Um das Evangelium richtig darzulegen, müssen wir erklären, wer Jesus Christus ist und was er für uns getan hat. Wir wollen außerdem zeigen, wer der Gläubige ist (ein Sohn Gottes) und was er ge­tan hat (einen vollkommenen Gehorsam geleistet), solange wir sagen, daß dies in und durch Je­sus Christus geschah. Genauso wie das, was über den Vater und den Heiligen Geist im Evangelium ausgesagt wird, nur vom zentralen Mittelpunkt Je­sus Christus geschehen kann, genauso geschieht jede Aussage über den Gläubigen nur vom zentra­len Mittelpunkt Jesus Christus aus. Über den Gläubigen darf im Evangelium nur in den Begriffen gesprochen werden, die das erwähnen, was Jesus Christus für uns getan hat.

 

Irrlehre (in diesem Punkt) wäre, den Vater und den Heiligen Geist als Mittelpunkt des Evangeliums zu bezeichnen. Dasselbe gilt auch vom Gläubigen. Oder wenn wir es anders sagen: Irrlehre wäre, dem Vater zuzuschreiben, was der Sohn getan hat (gekreuzigt und auferstanden). Dasselbe gilt auch für den Heiligen Geist und den Gläubigen.

 

Wir würden Irrlehren verbreiten und ein falsches Evangelium predigen. Obwohl wir sagen, daß der Gläubige in Jesus lebt und stirbt, so müssen wir doch beachten, da(3 wir zu dem Werk der Erlösung nichts beigetragen haben. Wie sollten wir das auch tun? Wir waren selbst nicht gegenwärtig, nur durch Jesu Stellvertretung. Was uns im Evange­lium geschenkt wurde, geschah in Stellvertretung. Wir waren nur durch unseren Stellvertreter gegenwärtig.

 

Wir wollen dies noch auf eine andere Weise betrachten. Der Vater war im Sohn und alle Gläubigen ebenfalls im Sohn gegenwärtig. Doch der Va­ter war in Wirklichkeit anwesend. Jesus Christus war kein Stellvertreter seines Vaters (d. h. auf Erden statt des Vaters), doch für die Gläubigen war er ein Stellvertreter (lebte und starb anstelle der Gläubigen). Obwohl Evangelium das ist, was Je­sus für uns getan hat (er lebte und starb für uns), stand der Vater dem Sohn durch den Heiligen Geist bei, während kein Gläubiger IHN im Werk der Erlösung unterstützte.

 

Das Evangelium handelt deshalb von Jesus Chri­stus - nicht vom Vater, nicht vom Heiligen Geist, noch vom Gläubigen.

II. Das Evangelium bezieht sich auf eine vergangene geschichtliche Tat

Jeder der drei Begriffe: vergangen, geschichtlich und ereignet, kennzeichnen die Bedeutung des Evangeliums. Das Evangelium, das die Apostel verkündigten, hatte sich bereits zugetragen. Sie schauten auf das Evangelium zurück. Sie wiesen auf nichts hin, was das Evangelium gegenwärtig und auch in der Zukunft betraf. Doch damit sagen wir nicht, daß sie auf nichts zeigten, was die Gegenwart und Zukunft anbelangte. Wir betonen nur, sie wiesen auf nichts hin, was die Gegenwart und Zukunft des Evangeliums betraf. Nur wenn wir zurückblicken und auf das zeigen, was schon geschehen ist, predigen wir das Evangelium. Die Vergangenheit ist ein wesentlicher Gesichtspunkt des Evangeliums.

 

Das Evangelium ist weder eine Phantasie noch ein Traum. Es ist ein geschichtliches Ereignis. Es voll-zog sich in der Geschichte und kann auch mit einer gewissen Genauigkeit im Ablauf zeitlich festgelegt   werden.   Die   geschichtliche   Natur  des Evangeliums, seine vergangene historische Beschaffenheit, schließt bestimmte und wichtige Folgen mit ein.

 

Erstens: Wir können das Evangelium nicht an-mahnen. Eine bereits vergangene, geschichtli­che Tat ist nicht anzumahnen. Man kann sie nur erklären, verkündigen und verbreiten. Ermahnung ist gut (sie ist biblisch) und muß sein, doch sie ist kein Evangelium und auch im Evangelium nicht mit eingeschlossen. Doch wir sagen nicht, daß sie nicht in Predigten über das Evangelium einbezogen werden darf. Wir betonen nur, wenn sie in eine »Evangeliums predigt« eingeschlossen wird, dann ist dieser Teil nicht Evangelium. Zweitens: Wir können das Evangelium weder an-mahnen, noch es erfahren. Jawohl, Sie haben recht gelesen. Das Evangelium kann man nicht erfahren. Darfur haben wir einige Gründe.

 

a)  Das Evangelium handelt von einer einzigartigen Erfahrung. Eine einzigartige Erfahrung aber können wir nicht wiederholen. Wenn der Gläubige das Evangelium erfahren könnte, wäre es eine Wiederholung und damit nicht mehr einzigartig.

b)  Das Evangelium ist vollkommen. Seit dem Sündenfall gab es keine Vollkommenheit mehr auf Erden, weder vor, noch nach der Evangeliums tat. Wenn wir das Evangelium erfahren konnten, dann müßten wir es vollkommen erfahren. Wenn wir es aber vollkommen erfahren könnten, wäre das Evangelium nicht mehr nötig.

c)  Jeder Historiker weiß, daß man ein vergangenes, geschichtliches Ereignis nicht mehr erfah­ren kann. Wir können uns wohl so gut wie möglich gleichsetzen, aber wir können es nicht er­fahren.

d)  Das Evangelium bezieht sich auf das stellvertretende Werk Christi. Wenn der Gläubige das Evangelium erfahren konnte, geschähe es nicht mehr stellvertretend. Evangelium ist, was Gott in Jesus Christus für mich tat. Wenn ich es er­fahren konnte, dann hatte er es nicht für mich vollbracht.

e)   

Drittens: Wir glauben an das Evangelium. An das Evangelium glauben, heißt, auf etwas hoffen, das man nicht sieht. Der Glaube ist eine gewisse Zuversicht des, das man hofft (Hebr. 11,1). Doch wer hofft auf etwas, das man bereits besitzt? (Rom. 8, 24).

 

Wir wiederholen, das Evangelium kann nicht er­fahren werden. Wir erfahren seine Segnungen und den Heiligen Geist, doch wie wir bereits gesehen haben, macht der Heilige Geist nicht das Evangelium aus. Der Heilige Geist, der den Gläubigen zuteilwird, ist die Frucht des Evangeliums. So ist Glaube, Hoffnung, Freude, Friede ein persönlicher Zustand, und Heiligkeit ist auch ein Zu-stand des Gläubigen. Sie alle sind Fruchte des Evangeliums. Wir dürfen die Wurzel (Evangelium) nicht mit der Frucht verwechsein (siehe Gal. 1, 5. 6).

 

Das Evangelium iste in vergangenes, geschichtliches Ereignis. Das hat gewaltige Folgen für die vergangenes, geschichtliches Geschehen in Christus.

 

III. Das Evangelium bezieht sich auch auf das vollkommene Werk Gottes in Jesus Christus für uns

 

Wie wir schon festgestellt haben, gibt es keine Unvollkommenheit im Evangelium. Es ist das Unvollkommenheit Werk Gottes in Jesus Christus für uns. Darin sind zwei wichtige Gesichtspunkte enthalten.

 

Erstens: das Evangelium betrifft das vollkommene Werk Gottes in Jesus Christus für uns. Nur wenn wir ein vollkommenes Werk Gottes in Jesus Christus predigen, verkündigen wir das Evangelium. Das Evangelium läßt kein Wachstum zu. Alles, was Wachstum zuläßt (des Christen Leben, seine Heiligung usw.), kann nicht Evangelium sein. Der Glaube zum Beispiel ist gut, aber er ist nicht vollkommen. Die Reue ist gut und notwendig, niemand von uns bereut, so wie er sollte. Ein heiliges Leben ist gut, und niemand wird ohne Heiligung den Herrn sehen; doch unser heiliges Leben ist weit entfernt von der Vollkommenheit. Nichts davon kann demnach als Evangelium bezeichnet werden.

 

Der zweite wichtige Gesichtspunkt ist, daß das Evangilium, das vollkommene Werk Gottes in Jesus Christus ist. Wenn der Gläubige vollkommen wäre, dann wäre das Evangelium für ihn nicht mehr notwendig.

 

Jesus Christus ist der Ort für Gottes vollkommenes Werk. Nicht das, was im Gläubigen geschieht, kann als Evangelium bezeichnet werden. Es ist nur eine Frucht des Evangeliums, niemals aber das Evangelium seibst. Wenn das so ist (und es ist so), dann sind Mittel und Botschaft (des Evangeliums) zu unterscheiden. Nur auf Christus bezogen, können wir sagan, daß das Mittel die Botschaft ist.

 

IV. Evangelium ise die Kraft Gottes zur Erlösung (Röm. 1. 16)

Wir müssen uns darüber klar sein, was hier ausgesagt ist. Wir meinen nicht, daß das  Evangelium zur Kraft führt. Paulus sagt uns, daß das Evangelium die Kraft Gottes zur Seligkeit ist. Die Kraft Gottes ist das Evangelium. Evangelium und Kraft Gottes sind dasselbe. Darum schließen wir diesen Punkt mit in die »wesentlichen Faktoren« ein, d. h. in die wesentlichen Bestandteile der Beschaffenheit des Evangeliums.

 

Es gibt noch viele Gesichtspunkte, die wir ausführlicher darlegen könnten, doch wir wollen unser Augenmerk auf ein Gebiet richten, das vielfach in der christlichen Literatur klargestellt warden muß. Paulus sagt, daß das Evangelium eine Kraft Gottes zur Rettung aller Menschen ist, die daran glauben, Gewöhnlich verstehen wir diese Aussage so, daß wenn das Evangelium anfänglich geglaubt wird, daraus dann die Errettung folgt. Anders gesagt denken wir, solch ein Zeugnis, nämlich daß das Evangelium eine Kraft Gottes ist, beziehe sich fast ausschließlich, wenn nicht ausschließlich auf die Errettung der Ungläubigen.

 

Doch es muß gesagt werden, daß das Zeugnis von Paulus genauso auf die Gläubigen zutrifft. Das Evangelium rettet die Ungläubigen, wenn sie glauben, aber es rettet auch die Gläubigen, wenn sie dem Evangelium vertrauen. Es ist die Kraft Got­tes auch zur Erlösung der Gläubigen. Wir wollen einige Folgerungen dieser Wahrheit aufzeigen, Erstens: Das Evangelium rettet den Gläubigen am Anfang, in der Mitte und am Ende seines christlichen Lebens. Es gibt nie einen Punkt im Glaubensleben, in dem uns nicht das Evangelium ret­tet. Wir müssen deshalb in jedem Stadium unseres Lebens mit Gott auf das Evangelium sehen.

 

Zweitens: Wir hoffen, daß es uns gelungen ist, völlig klar herauszustellen, daß Evangelium und Hei­ligung verschiedene Wirklichkeiten sind. Evange­lium darf nicht mit Heiligung gleichgesetzt wer­den, noch darf sie in ihm enthalten sein. Wenn sie das tut, können wir unsere drei vorausgegangenen Punkte nicht geltend machen. Heiligung ist das Hauptwerk des Heiligen Geistes. Sie findet im Erfahrungsbereich des Gläubigen statt. Dieses Werk ist jedoch nicht vollkommen. Evangelium und Heiligung sind nicht dasselbe. Wir können nicht sagen, daß uns Gott durch die Heiligung ret­tet. Das Evangelium ist die Kraft Gottes zur Erlösung.

 

Nun wollen wir es uns noch einmal klarmachen. Noch nie erklärten wir, daß die Heiligung unwichtig sei, Im Gegenteil, ohne sie kann niemand vor Gott angenehm sein. Doch wir bezeugen, daß wahre Heiligung immer eine Frucht des Evangeliums ist (Kol. 1, 5. 6). Nur was in unserem Leben die echte Frucht des Evangeliums hervorbringt, ist wahre Heiligung. Heiligung benötigt das Evange­lium als Quelle und Kraft. Es ist ein satanischer Irrtum, wenn die Heiligung zum Evangelium verdreht wird. Geschieht dies, so wird die Kraft des Chri­sten im heiligen Leben gesehen. Doch wir müssen erkennen, daß Heiligung Ergebnis und Wirkung der Kraft Gottes im Evangelium ist.

 

Die Heiligung benötigt das Evangelium nicht nur als Quelle der Kraft, sondern auch als ihren beständigen Schutz. Eine Heiligung, die vom Evan­gelium abgeschnitten wird, ist genauso gefährlich, wie ein Evangelium, das keine Heiligung hervorbringt, vielleicht sogar noch gefährlicher. Wir meinen »noch gefährlicher«, weil Evangelium ohne Heiligung leicht vorgetauscht werden kann. Eine evangeliums lose Heiligung ist schwer zu entlarven, besonders in einer Zeit, in der Evangelium und Heiligung als ebenbürtig angesehen wer­den.

 

Wenn wir die Heiligung ganz oder teilweise zum Evangelium machen, haben wir sie vom Evange­lium getrennt. Heiligung dem Evangelium gleich-setzen oder Evangelium in die Heiligung einzubeziehen, bedeutet Heiligung ohne Evangelium. Drittens: Die Heiligung benötigt das Evangelium auch als letzten Schutz. Alle, die am Ende gerettet werden, werden auf dieselbe Weise wie am Anfang gerettet. Unsere Heiligung wird uns am Ende genausoweit erretten wie am Anfang. Was unsere Errettung anbetrifft, so kann der Unzulänglichkeit unserer Heiligung nur das Evangelium hinzugefügt werden. Soviel für jene, die die letzte Erret­tung auf die Heiligung gründen. »Was die Kirche heute benötigt, ist mehr Heili­gung!" Dieser Ruf ist heute überall zu hören. Unglücklicherweise stellt dieser Ruf die Heiligung über das Evangelium.

 

Wenn das Evangelium tatsachlich wahre Heili­gung hervorbringt (und wer wünschte sich eine andere Art) und die Kirche mehr wahre Heiligung benötigt, dann braucht sie mehr Evangelium. Das Evangelium ist die Kraft Gottes zur Heili­gung.

 

Wir wollen nun zusammenfassen, was wir bisher feststellten. Wir bemühten uns zu zeigen, was das Evangelium im eigentlichen Sinn ist. Wir haben uns weiter bemüht herauszustellen, was das Evangelium und nichts anderes zustande bringt.

1.   Das Evangelium handelt von Jesus Christus und niemanden anders. In seinem Mittelpunkt steht weder eine andere Person der Gottheit, noch eine menschliche Person, wie die des Gläubigen.

 

2.   Das Evangelium stellt ein bereits vergangenes, geschichtliches Ereignis dar. Es ist vergangen und darum weder gegenwärtig noch zukünftig. Es handelt sich um ein geschichtliches Geschehen und nicht um eine Lebenserfahrung. Nur wenn wir ein vergangenes, geschichtliches Ereignis predigen, verkündigen wir Evangelium.

 

3.   Evangelium ist das vollkommene Werk Gottes in Jesus Christus. AllesVollkommene ist Evangelium und alles Nichtvollkommene ist kein Evangelium. Das Evangelium ist das vollkommene Werk Gottes in Jesus Christus.

 

4.   Das Evangelium ist die Kraft Gottes zur Erlösung, auch zur Erlösung der Gläubigen. Unsere Heiligung hangt vom Evangelium ab, als ihrer Quelle, ihren Schutz und ihrer letzten Bewahrung vor dem Gericht am Throne Gottes. Wir müssen immer und an jedem Punkt unseres christlichen Lebens auf einer Trennung von Heiligung und Evangelium bestehen. Alle, die Evangelium und Heiligung gleichsetzen oder erklären, Heiligung sei ein Teil des Evangeliums, unterscheiden nicht Evangelium und Heiligung. Es ist wirklich tragisch, so oft zu hören: »Heiligung, mehr Heiligung« was eigentlich wirklich bedeutet, »weg mit dem Evangelium, weg mit dem Evangelium.«

Dieses Evangelium und andere Evangelien

Wir wollen jetzt einfach anfuhren, was im voran-gegangenen Abschnitt nicht enthalten war. Wir haben bereits vier Faktoren erwähnt, die wesentliche Teile des Evangeliums darstellen. Im Lichte dessen, was wir bereits dargelegt haben, können wir nun erkennen, was nicht Evangelium sein kann.

1. Erwählung, die uns von Christus scheidet, kann nicht Evangelium sein

Vor nicht langer Zeit bekannte mir eine Frau aufgrund der vorangegangenen vier Punkte in diesem Artikel, daß sie mit ihrer alten Tante über die Notwendigkeit ihrer Errettung und den Glauben an die Erwählung gesprochen habe. Der Inhalt der Botschaft dieser Frau war ein philosophischer Begriff über das vorherbestimmende Handeln Gottes. Doch eine Erwählung, die nicht auf das Geschehen Christi gegründet ist, ist kein Evan­gelium. Eine Lehre der Erwählung, die einem philosophischen Begriff entspringt, anstatt dem Evangelium, ist Vater-bezogen und nicht Christus-bezogen. Eine von Christus getrennte Lehre der Erwählung ist der Heiligung abträglich und kann nicht das Evangelium zur Quelle haben.

2. »TULIP«1

»TULIP« steht für vollkommene Verdorbenheit, bedingungslose Erwählung, begrenzte Versöhnung, überwältigende Gnade und Beharrlichkeit der Gläubigen. Sehen wir von der Richtigkeit von »TULIP« oder etwas anderem ab, so interessiert uns doch, auf welche Weise die Reformierten diese Abkürzung anwenden. Manche setzen "TU­LIP" mit dem Evangelium gleich. Einige sprechen von »TULIP« als etwas, das wir der Welt anzubieten-ten hatten. Aber »TULIP« enthalt Dinge, die wir nicht als Evangelium bezeichnen können. Wie zum Beispiel der Buchstabe »P« am Ende von »TULIP« für die Standhaftigkeit der Heiligen steht. Die Standhaftigkeit der Heiligen kann aber nicht als Evangelium gelten. Die vier Faktoren, die wir angeführt haben, machen es unmöglich, die Standhaftigkeit der Heiligen als Evangelium zu bezeichnen. Wir sollten uns hüten, ein System der Lehren, so gut es auch gemeint ist, als Evangelium anzunehmen. Wir sollten vorsichtig sein und unsere Sicherheit lieber nicht von einem verstandesmäßigen und wasserdichten System abhängig machen, als von dem großen Werk Gottes in Jesus Christus, das für uns geschah.

3.  »Wiedergeburt« kann nicht als Evangelium bezeichnet werden

Diejenigen, die das Wort »du mußt von neuem geboren sein« als Evangelium verkündigen, predigen ein falsches Evangelium. Die »Wiedergeburt«, die biblisch ist, ist das Werk des Heiligen Geistes. Sie ist eine Wirklichkeit, die jetzt stattfindet und durch die Gnade Gottes auch in Zukunft sein wird. Die Wiedergeburt ist kein vollkommenes Werk Gottes in Jesus Christus, auch keine Kraft Gottes zur Erlösung. Doch in vielen Predigten wird die Wiedergeburt an die Stelle Jesu gesetzt. Es ist ein großer Trugschluß, die Wiedergeburt als Evan­gelium zu bezeichnen.

 

Es war der Irrtum Roms, die Wiedergeburt als Evangelium hinzustellen. Viel zu viele Evangelikale sind in denselben Fallstrick geraten. Wie oft werden die Worte »Jesus, komm in mein Herz« als Evangelium gepriesen. Wie oft wird die Aufforderung: »Bittet Jesus in euer Herz zu kommen« als Hohepunkt der Predigt benützt. Nicht das Kommen Jesu in unser Herz ist Evangelium, sondern Jesu Kommen in unsere Welt für uns sündhafte Menschen, das ist Evangelium. Nicht das menschliche Herz ist Mittelpunkt des Evangeliums, sondern Jesus Christus. Die Pre­digt, die das menschliche Herz zur Mitte hat, weist auf kein vergangenes, geschichtliches Gesche­hen hin. Sie verkündigt auch kein vollkommenes Werk Gottes in Jesus Christus, sie ist auch keine Kraft Gottes zur Seligkeit. Die Predigt, die das menschliche Herz zum Hohepunkt macht, ist keine Quelle der Heiligung, sondern sie ist der wahren Seligkeit abträglich.

4.  Die Wiederkunft Christi kann nicht als Evange­lium bezeichnet werden

So biblisch wie die Wiedergeburt ist auch die Wie­derkunft Christi. Doch so wenig die Neugeburt kein Evangelium ist, so wenig ist es das zweite Kommen Christi. Evangelium ist ein vergangenes, geschichtliches Ereignis, während die Wieder­kunft Christi zukünftig ist. So wie viele das menschliche Herz gegenwärtig zum Evangelium erheben, so gibt es auch viele, die die Botschaft des Evangeliums mit dem Eschaton (letzte Dinge) gleichsetzen.

 

Es gibt viele, die glauben, die Kirche benötige heute eine neue Herzenserfahrung und eine Wiederbelebung. Es gibt auch solche, die das Geheimnis der Wiederbelebung in der Predigt der Eschatologie sehen. Damit werden das menschliche Herz und die Zukunft zum Mittelpunkt der Predigt. Was Gott in Christus getan hat, wird dem untergeordnet, was Gott in den Herzen der Gläubigen tun wird, und ebenso wird das, was Gott in der Vergangenheit tat, dem untergeordnet, was er in Zukunft tun wird. Wo dies geschieht, wird ein falsches Evangelium gepredigt und die Eschatologie ihrer wahren Natur beraubt.

5. Die Taufe durch den Heiligen Geist kann nicht als Evangelium bezeichnet werden

Die Voreingenommenheit der neuen Pfingstbewegung kann nicht als Evangelium bezeichnet werden, schon gar nicht als das »vollkommene Evangelium«. Die Voreingenommenheit der neuen Pfingstbewegung stutzt sich auf den Heili­gen Geist und nicht auf Christus. Sie stutzt sich auf eine gegenwärtige oder zukünftige Erfahrung und nicht auf das vergangene, geschichtliche Geschehen. Sie fußt nicht auf dem vollkommenen Werk Gottes in Jesus Christus, sondern auf dem Werk Gottes in den Herzen der Gläubigen. Was die Pfingstler als Kundgebung der Kraft Gottes bezeichnen, ist ein schwacher Schein von dem, was Paulus als die Kraft Gottes im Evangelium be­zeichnet. Für alle, die es erfassen wollen, ist es klar, daß das, was die Pfingstbewegung hervor-bringt, viel geringer ist, als die Kraft, die sich dem Paulus und den andern Aposteln des Neuen Te­staments kundtat.

 

6. Alles, was man anmahnen Oder erfahren kann, ist nicht das Evangelium

Wir haben im ersten Teil dieses Artikels gesehen, daß das Evangelium ein vergangenes, geschichtliches Ereignis ist. Als solches kann es nicht an-gemahnt, noch erfahren werden. Nichts, was man anmahnen oder erfahren kann, ist Evangelium. Wir sagen nicht, daß man nicht ermahnen darf oder keine Ermahnungen machen soll. Wir sagen nur, was man anmahnen oder erfahren kann, ist kein Evangelium.

Wie wir gesehen haben, gibt es viele, die glauben, eine Wiederbelebung der Kirche bedeute mehr Heiligung und tiefere Erfahrung mit Gott. Diese Menschen vergessen, daß sich die größte Kraft im Evangelium kundtut (Rom. 1,16). Um Gottes Volk zur tieferen Heiligung anzuregen, müssen wir es zu guten Werken ermuntern. Um aber gute Werke tun zu können, muß es im richtigen Verhältnis zum Evangelium stehen. Wenn wir ermahnen und das sollten wir, müssen wir die Heiligung von der Rechtfertigung herleiten. Die Rechtfertigung muß immer der Wachter unserer Heiligung sein. Das vollkommene Werk Gottes muß immer die gegenwärtigen und zukünftigen Taten der Kinder Gottes überschatten. Die Türpfosten der menschlichen Werke müssen stets mit dem Blut Jesu Christi bestrichen sein, damit die Gerichtsengel an uns vor-übergehen, auch am letzten Tag.

1 Eine amerikanische Abkürzung für total depravity, unconditional elec­tion, limited atonement, irresible grace, preseverance kann nicht als Evangelium bezeichnet werden.

 

– This article was written by Geoffrey Paxton and appears in Wahrheit für Heute Vol. 5, #2.

 

Das wahre Problem, vor dem die Kirche steht

 

Antwort auf eine ernste Frage

Es steht außer Frage, daß im Angesicht des unmittelbaren Kommens Christi und der damit verbundenen Ereignisse der letzten Tage, die Kirche zu einer radikalen Heiligung aufgerufen ist. Doch in diesem ernsten und gutgemeinten Jagen nach der Heiligung ist das Volk Gottes tief gesunken und mit einem Programm beschäftigt, das den Sieg über die Sünde und zu einem geisterfüllten Leben, ja zu einer strahlenden christlichen Persönlichkeit durch Anwendung aller Arten von Heiligungstechniken führen soll. Kürzlich schrieb ein Seminar-Professor, der überzeugt ist, daß die Heiligkeitslehre jede Sünde vor dem Kommen Christi vollkommen ausrottet an die Geschäftsleitung der »Wahrheit für Heute«. Er befürchtet, daß unsere Betonung der Rechtfertigung durch Glauben, die Macht Christi, die das Volk Gottes für die Vollkommenheit im großen Geschehen der Eschatologie, das jetzt vor uns liegt, bereitmachen soll, verringere. Er schrieb:

»Mein Christus ... den ich verehre, ist mächtig und fähig genug, sein Volk durch die Kraft seiner inneren Gegenwart vor-zubereiten, nicht mehr zu sündigen. Ihr Christus scheint nicht mächtig genug zu sein, dies zu tun und erst recht nicht willig, es überhaupt zu versuchen.«

 

Dieser Bruderwirft eine Frage auf, die in manchen Teilen der Kirche ein wirkliches Problem ist. Ich mochte diesen Gegenstand, den dieser Bruder in Christus aufwirft, mit großter Sorgfalt behandeln. Er ist einer der vielen in Gottes Volk, die die Sünde

 

und die Kraft des Evangeliums sehr ernst nehmen. Es steht uns schlecht an, Steine auf die christli­chen Perfektionisten zu werfen, wahrenddessen wir die Heiligung leichtnehmen. Indem ich die Frage aufwerfe, ob es Christus möglich ist, das Problem der Sünde zu lösen, mochte ich alle Argumente und deren Bedeutung, wie Rechtfertigung, Wiedergeburt, Zurechnung, Hei­ligung, Mitteilung, Vollkommenheit usw. aufgreifen und mich mit dem Herzen dieses »Heiligkeits-Polypen« befassen.

Die Hauptfrage ist: »Glauben wir wirklich an das Evangelium?« Nach Johannes ist es eine der entscheidenden Fragen, die die ganze Welt in zwei Gruppen aufteilt, nämlich solche, die an das Evangelium glauben und andere, die nicht glau­ben.

Das Sündenproblem -gelost oder nicht gelöst?

Unser Freund, der Professor, fühlt offensichtlich, daß der Eine, den er seinen Christus nennt, unserem schwachen Christus überlegen ist. Doch was hier als Starke der Heiligkeitsbewegung erscheint, ist in Wirklichkeit ihre Schwache. Unser Freund hat das Evangelium, auf das wir uns stützen, vollkommen mißverstanden. Der Christus des Neuen Testaments ist der Eine, der die Sünde schon überwunden hat (Hebr. 1, 3; 9, 26). »Er hat die Reiche und die Gewaltigen ihrer Macht

 

entkleidet und sie öffentlich zur Schau gestellt und hat einen Triumph aus ihnen gemachtin Christus« (Kol. 2, 15).

 

Einige meinen, nur das Kreuz könne uns anspornen, die Sunde zu überwinden. Doch wir glauben der neutestamentlichen Botschaft, daß das Kreuz nicht nur die Sünde überwindet, sondern das Pro­blem schon gelost hat. Wir leben nicht mehr im Alten Testament, in dem man nur vorwärtsschauen konnte und sagen: »Siehe der Tag kommt...« Wie können wir dem Evangelium glauben, wenn wir ständig vorwärts schauen und erwarten, daß Christus und sein Volk eines Tages das Sündenproblem losen wird?

 

Der Christus unseres Professors ist der Eine, der eines Tages das Sündenproblem lösen kann und wird. Wir wollen nicht so unfreundlich sein und andeuten, daß wir einen andern Christus haben. Wir wollen ihm nur die gute Nachricht mitteilen, daß Christus schon weit mehr getan hat, als er meinte.

 

Hier ist der Haken des Problems. Das Neue Testa­ment stellt das Evangelium als gute Nachricht dar, nämlich darüber, was Gott in Christus getan hat. Alle herrlichen Verheißungen des Alten Testa­ments, die Verheißung des Sieges über den Tod und das Bose, des Gerichts und der Befreiung, des kommenden Gottesreiches und einer neuen Schöpfung und jede Verheißung von Gottes Machtiger eschatologischer Erlösung, alles hat sich im Geschehen Christi erfüllt (2. Kor. 1, 20; Apg. 13, 32. 33). Etwas weniger zu bekennen würde heißen, Christus nicht als Messias Gottes anzuerkennen.

 

Das Neue Testament erklärt, daß das langerwartete Reich Gottes (die Regierung Gottes) in Jesus Christus seinen Anfang nahm (Mark. 1,15). Darum sind alle, die nun durch den Glauben in Christus sind, schon Partner der neuen Ordnung (2. Kor. 5, 17) und sind bereits in das Reich seines lieben Sohnesversetzt(Kol. 1,12). Obwohldie Glaubigen noch auf die Offenbarung des Reiches Gottes warten, wissen sie, daß sie IHN als Erben von Ange­sicht sehen werden. Doch das Evangelium erklärt, daß das Reich Gottes mit Jesus bereits begonnen hat und wir durch den Glauben schon Teilhaber der neuen Schöpfung sind.

 

Wenn es etwas besseres gibt, als dieses Evange­lium, das die Liebe zur Welt in unserem Herzen auslöscht, dann mochte ich gerne wissen, was dies ist. Wie Luther sagte: Wenn wir diesem Evan­gelium glauben wollten und immer in unserem Herzen behalten würden, dann würden wir gewiß allen Pomp und alle Prahlerei dieser Welt verachten.

 

Noch einmal, das Neue Testament gibt die wunderbare Nachricht, daß Satan besiegt und vollständig zerschmettert am Boden liegt (Joh. 12,31; Hebr. 2,14; Offb. 12,10). Er ist ein besiegter Feind, denn unser David hat ohne Hilfe den Goliath überwunden, der uns Tag und Nacht schreckte. Auch dem letzten Feind, dem »König des Schreckens« (Hiob 18,14), dem Tod selbst, hat Jesus die Macht genommen (2. Tim. 1, 10), und darum sagt er: »... wer da lebt und glaubet an mich, der wird nimmermehr sterben« (Joh. 11, 26). Dieses Evan­gelium kann nur durch den Glauben ergriffen werden, und es scheint, als gingen die Christen denselben Weg des Verderbens, wie die andern auch. Doch den Gläubigen erscheint der Tod wie eine harmlose Giftschlange, der man die Gift-zahne gezogen hat. Es ist nur ein Schlaf, denn Christus hat den Tod besiegt und seine Macht überwunden (Eph. 1, 18-23; 2, 1-6). Wenn es et­was Besseres gibt, als dieses Evangelium, das uns mehr Mut und Zuversicht schenkt, dem Tod ins Angesicht zu schauen, dann mochte ich gerne wissen, was dies ist.

 

Und was ist mit der Sünde? Ist es nicht gänzlich offenbar, daß Christus den Tod vernichtet hat, welcher der Sünde Sold ist? Hat er nicht der Sunde ein vollständiges Ende gesetzt? Wirklich, er tat es! Als die Fülle der Zeit gekommen war, »wurde die Sünde und die Schuld gesühnt« (Dan. 9, 24). Im Evangelium ist die Gerechtigkeit Gottes (ein alttestamentlicher Ausdruck, der ein gerechtes Urteil Gottes meint) offenbart (Rom. 1, 16. 17). Im Jahre 31 n. Chr. klagte Gott die ganze schuldige Welt -Juden wie Heiden - an, Rechenschaft vor seinem Richterstuhl abzulegen. Dort wurden alle des Todes schuldig befunden (Rom. 1, 18; 3, 20). Gott selbst stand in Jesus Christus auf der Seite der Beschuldigten. ER trat vor sie und für sie ein. Dank Gottes unaussprechlicher Gnade und Christi unerforschlicher Liebe, stand einer vor dem Richter­stuhl Gottes als Stellvertreter der Menschheit. Als Mensch stand er vor den Schranken des Gerichts und trug die Sünden für jeden von uns. Hier ist dieser Vertreter der Menschheit - als Mensch wie du und ich-und wurde würdig befunden, den Tod nicht für seine eigenen Sünden, sondern für die Sünden der ganzen Welt zu erleiden. Hier fand das »Gericht für die ganze Welt« statt (Joh. 12, 31). Als Gott Christus zum Sühnopfer für die Sünden der ganzen Welt machte (Rom. 3, 25; 1. Joh. 2, 2), nahm er tatsächlich Anteil an unseren Sünden. Unsere Sünden wurden in Christus bestraft und durch Christus weggenommen. Durch Jesu Auferstehung hat Gott seinen Freispruch öffentlich verkündigt, indem er erklärte: »weil sie glauben, sind sie gerechtfertigt«. Das bedeutet, sie sind in den Augen des Richters unschuldig und frei von Sünden. Es ist daher unmöglich für Gott, in jenen eine Sünde zu finden, die mit ihrem Munde Chri­stus bekennen und aus vollem Herzen glauben, daß Gott IHN von den Toten auferweckt hat. Nach Hebräer 1, 3 hat Christus die Reinigung unserer Sünden vollbracht und setzte sich zur Rech ten Gottes. Golgatha ermächtigte Gott nicht nur, etwas mit der Sünde zu tun, er tat auch etwas mit der Sunde. Der Tod Christi war Gottes rechtliches Sühnen, durch das die Sunde nicht nur gerichtet, sondern auch gereinigt wurde. Als der Hohepriester das Blut auf den Gnadenstuhl sprengte, stellte er die Forderungen des Gesetzes vollständig zufrieden. Auch Christus sühnte auf Golgatha die Sünden voll und ganz (Hebr. 2,17). Dazu ist zu sagen: er wurde wirklich unser Gnadenstuhl, der diese Forderungen des Gesetzes hinsichtlich unserer Sünden vollständig zufriedenstellte. »... nun aber ist er am Ende der Zeit einmal erschienen durch sein eigen Opfer, die Sünde aufzuheben« (Hebr. 9, 26). >>. . . denn mit einem Opfer hat er für immer vollendet, die geheiligt werden« (Hebr. 10, 14). Das bedeutet, daß die ganze Gemeinschaft der Gläubigen bereits in Christus voll­kommen ist. Oder wie Paulus deutlich feststellt: »und ihr habt die Fülle (Vollkommenheit) in ihm (Kol. 2,10). Die Worte der Prophetie sind demnach erfüllt: ».. . man wird die Missetat Israels suchen, spricht der Herr, aberes wird keine da sein und die Sunden Judas, aber es werden keine gefunden werden . . .« (Jer. 50, 20).

 

Wenn wir das Zeugnis des Apostel Johannes betrachten, werden wir finden, daß das ewige Leben, das wahre zukünftige Leben, bereits in Jesus Christus zu uns gekommen ist. Der Herr sagt: »Wer mein Wort hört und glaubt dem, der mich gesandt hat, der hat das ewige Leben und kommt nicht in das Gericht, sondern ist vom Tode zum Leben durchgedrungen (Joh. 5, 24). Darum verkündigt das Neue Testament überall die Wichtigkeit des triumphierenden Rufes Christi »Es ist vollbracht« (Joh. 19, 30). Gott hat die Welt in Christus bereits gerichtet und freigesprochen. Er hat uns gereinigt und die Sünde hinweg getan und die Menschheit in der Erlösungstat seines Sohnes vollkommen gemacht. Deshalb lautet die neutestamentliche Botschaft: »es ist alles bereit« (Matt. 22, 4). Alle, die daran glauben, sind rein und gerecht vor Gott. Das ist Gottes Urteil dar-über: sie sind frei von Sunde, gerecht, rein, voll­kommen und sitzen mit IHM zur Rechten Gottes in den himmlischen Höfen.

 

Wir müssen weiter darauf bestehen, daß Gottes Werk herrlich triumphierte, gleich ob es die Menschen glauben wollen oder nicht. »Des Menschen Untreue (Unglaube) kann Gottes Treue nicht aufheben« (Rom. 3, 3; siehe Jes. 49, 5). Die Menschheit ist bereits gerettet, und Christus in seiner Gerechtigkeit als Vertreter der Menschen zur Rechten Gottes, macht diese Errettung gewiß. Wir bekennen das deutlich, weil einige meinen, Golgatha habe keine Vollendung gebracht, es sei denn, wir fügen unsere wunderbare Macht der Erwählung oder Übung des Glaubens mit ein, als ob alle Dunkelheit und Leblosigkeit durch einen menschlichen Beitrag wieder zum Leben und zur wirkungsvollen Errettung kommen konnte. Allerdings gibt uns Gott das Vorrecht, alles zu glauben, was er für uns getan hat. Das Evangelium ruft uns auf, dazu »Amen« d. h. es ist »wahr« zu sagen. Zu glauben, daß wir in Christus gerettet und deshalb in seinem Sieg mit eingeschlossen sind. Zu glauben, nicht aber Gott und seine Apostel Lügner zu nennen und die »Erstgeburt« zu leugnen. Doch der Glaube kann nichts zum Le­ben führen, was Gott nicht bereits zum Leben gebracht hat.

Es ist daher kein Wunder, wenn der alttestamentliche Evangelist die gute Nachricht verkündigte: ». .. deine Knechtschaft hat ein Ende« (Jes. 40, 2). Was für eine uneingeschränkte Freude bringt diese Botschaft, wenn sie sagt:

»lch tilge deine Missetat (sollte in der Vergangenheit stehen) wie eine Wolke und deine Sünde wie den Nebel. Kehre dich zu mir, denn ich erlöse dich. Jauchzet ihr Himmel, denn der Herr hat's getan! Jubelt ihr Tiefen der Erde! Ihr Berge, frohlockt mit Jauchzen, der Wald und alle Baume darin .. .« (Jes. 44, 22. 23).

 

Auch über die sundhafte menschliche Natur er-klart das Evangelium, dal3 sie mit Christus gekreuzigt wurde (Rom. 6, 6; Gal. 2, 20). »Wenn einer für alle gestorben ist, so sind sie alle gestorben (2. Kor. 5,14). Wenn Paulus den Kolossern sagte: »lhr seid gestorben« (Kol. 3, 3), so war es nicht des­halb, weil sie Superheilige geworden waren und endlich die Technik der Selbstkreuzigung beherrschten. Das wahre Problem in der Kolosser-Gemeinde war, daß sie versuchten, ihre sündhafte Natur zu kreuzigen. Aber ihre Anstrengung war vollkommen nutzlos (Kol. 2, 20-23). Ihr siegreiches Leben war ein Ausdruck des Unglaubens gegenüber dem Evangelium. Sie waren in Wirklichkeit der Heuchelei schuldig. Sie belogen sich untereinander, wie jede falsche Heiligung die Leute zur Luge zwingt. Sie richteten einander und vergaben sich nicht gegenseitig (wie es alle Gesetzeschristen tun) (Kol. 3, 9-10). Paulus sagte ihnen nicht, daß sie »tot« sein müßten, noch sagte er ihnen, wie sie »tot« werden sollten, sondern er brachte diesen armen, unwissenden, sündhaften Gläubigen das Evangelium, in dem sie bereits ge­storben sind. Nur auf dieser Basis konnte er ihnen zurufen: »So tötet nun die Glieder, die auf Erden sind . . . (Kol. 3, 5). Man muß zuerst glauben, daß man durch Christus ein Sohn Gottes ist, bevor man als Gottes Sohn handeln kann. Desgleichen muß man überzeugt sein, daß man der Sünde ge­storben ist, bevor man wie solche handeln kann, die vom Tode zum Leben kamen.

Der Ruf zum Leben des Glaubens

 

Das Evangelium ruft uns zu einem Leben im Glau­ben auf. Auf der Grundlage dessen, das bereits geschehen ist, sollen wir glauben, daß wir eine neue Kreatur sind, obwohl wir sie nicht sehen, bis Jesus kommt. Durch den Glauben sehen wir, daß der Tod besiegt ist, auch wenn er uns ins Antlitz starrt. Da wir noch Fleisch sind, bedeutet der Glaube für uns eine Prüfung. Wir sollten bekennen, daß der Tod besiegt ist, auch wenn wir von unseren Liebsten auf Erden Abschied nehmen müssen. Wir sollten glauben, daß wir in Gott gerecht sind, wie Luther sagte: »Wir können uns nicht gerecht fühlen oder fühlendes sehr wenig. Du mußt es nicht fühlen, du mußt es glauben, daß du gerecht bist... Wenn du nicht glaubst, daß du gerecht bist, fügst du Christus großes Unrecht zu. Du darfst nicht leugnen, daß du gerecht bist.« Auf diese Weise stärkte der große Reformator die schwachen Knie der zitternden Gläubigen.

 

Gott hat unsere Menschlichkeit in Jesus Christus rein und gerecht gemacht. Deshalb ist jeder, der glaubt, wahrhaftig gerecht vor Gott. Das ist die Gerechtigkeit durch Glauben. Gott will und kann keine Sünde in jemandem finden, der an das Evangelium glaubt. Doch dieses Leben im Glau­ben verlauft nicht ohne schwere Prüfungen. Der Mensch, der Gott sehr nahe ist, weiß sehr gut, daß die Schlange der Sünde noch in seinem Busen lebt. Je heiliger sein Leben ist, desto feiner empfindet er die Macht der inwendigen Sünde und weiß, daß die frommsten Werke dem Makel der angeborenen Verdorbenheit unterworfen sind. Manchmal ist die Versuchung sehr groß, an Gottes Gerechtigkeit zu zweifeln. Doch dann sendet Gott seinen Geist, um ihn in seinem christlichen Glau­ben aufzurichten und zu starken, damit die noch vorhandene Sünde ihn inmitten des Kampfes nicht überwindet. Auf diese Weise wird die inwendige Sünde noch zu einem großen Segen für den Sünder. Sie veranlaßt ihn nicht nur, im Glauben an Christi alleiniger Gerechtigkeit festzuhalten, son­dern auch in ernster Erwartung nach »der seligen Hoffnung der Gerechtigkeit« bei Christi Wiederkunft auszuschauen (Rom. 8, 23; Gal. 5, 5). Diese Spannung von »Haben« (Glaube) und »Nachthauben« (Hoffnung) darf bis zum zweiten Advent nicht aufhören, denn das Leben hat sich mit seinem geschichtlichen Ablauf noch nicht erfüllt.

 

Luther warnte jedoch vor etlichen, die in zu großer Eile reine und sündlose Heilige im jetzigen Zu-stand werden wollten. Sie wünschen eine sofortige und augenblickliche Seligkeit, in der sie keine Sünde mehr fühlen. Wenn sie jedoch feststellen wurden, daß Gott ihr über aile Maßen überragendes Ziel sie nicht erreichen laBt, stehen sie in der Gefahr,   mutlos   zu   werden.   Der   fleischliche Mensch wünscht in einer sichtbaren Gerechtigkeit zu leben. Wenn er aber nicht sieht, daß Gott seine inwendige Sünde ausrottet, so erscheint er ihm als ein schwacher oder unwilliger Gott. Oder aber der Gläubige halt sich selbst für unwürdig und meint, nicht genug Glauben aufzubringen. Gewiß muß der Gläubige allezeit seine Sündhaftigkeit bekennen (Ps. 143, 7; 1. Joh. 1,8). Wenn er das tut, so darf er dies nicht dem Mangel göttlicher Kraft, noch seinem eigenen mangelnden Glauben zuschreiben. Der Dorn im Fleisch, mit dem ihn Sa­tan schlagt, wird nicht fortgenommen durch das Gebet des Glaubens. Gott sagt ihm: »Laß dir an meiner Gnade genügen, denn meine Kraft ist in dem Schwachen mächtig (2. Kor. 12, 9).

 

Daß der Sünder inmitten der Sundhaftigkeit seiner Natur rein und gerecht vor Gott sein kann, ist mehr eine Schaustellung der göttlichen Kraft, Gnade und Weisheit, als die  letzte Umwandlung der sterblichen   Sundhaftigkeit   zur   unsterblichen Sündlosigkeit. Letzteres übt die schöpferische Kraft aus, die tatsachlich wunderbar ist, doch ersteres geschieht durch die Macht des Kreuzes. »Wenn die Sünde mächtig geworden 1st, ist die Gnade noch mächtiger geworden« (Rom. 5, 20). Wirklich wunderbar ist die Kraft, die die Schlange der inwendigen Sünde in kürzester Zeit ausrotten konnte, doch noch wunderbarer ist die Kraft, die uns inmitten der menschlichen Unvollkommenheit wertvoll undangenehm im Angesicht der vollkommenen Heiligkeit bewahren kann.

 

Keine Sünde fühlen oder über unsere Erbärmlichkeit nicht betrübt sein und doch glauben, daß wir vor Gott gerecht sind, ist nicht der Glaube der Apostel und der Heiligen. Wenn uns aber bewußt wird, daß wir in unseren frommsten Taten vor Gott weit zurückbleiben und nur in Christus Jesus vor Gott gerecht sind, haben wir wahren Glauben. In­mitten der gegenwärtigen Schwachheit des Leidens und des Seufzens im täglichen Kampf mit der sündigen Natur (Rom. 7, 14-25; 8, 1-23) schrie Paulus auf: »Christus ist hier, der gestorben ist, ja vielmehr, der auch auferweckt ist, welcher ist zur Rechten Gottes und vertritt uns. Wer will uns scheiden von der Liebe Gottes? Trübsal oder Angst oder Verfolgung oder Hunger oder Blöße oder Fährlichkeit oder Schwert. . .« (Röm. 8, 34. 35), und wir können hinzufügen, oder die Zeit der Trübsal, die kommen wird, oder unsere eigene Unvollkommenheit? Nichts, absolut nichts, kann uns scheiden von der Liebe Gottes, die in Jesus Christus ist (Röm. 8, 38. 39). Wir wollen deshalb festhalten: Solange ein Mensch an das Evangelium glaubt, ist er gerecht. Sowenig ein gutes Werk den Gläubigen rechtfertigen kann, sondern nur der Glaube, sowenig kann ihn die Sünde verurteilen, sondern nur der Unglaube. Es ist mir völlig bewußt, daß durch die Predigt des Evangeliums der Argwohn der Ungesetzlichkeit heraufbeschworen wird, doch wir müssen dieses Risiko auf uns nehmen. Das Evangelium ist kein sanftes Ruhekissen für Heuchler, die meinen, ihre Häupter darauf ausruhen zu können; noch ist es eine Stütze für solche, die glauben ihre Sünde leicht nehmen zu können. Der Glaube, von dem wir sprechen, kann dort nicht sein, wo keine böse Neigung der Sünde ist, doch er wird den Besitzer auch nicht zur Sünde verleiten. Er will vielmehr die Liebe zur Sünde im Herzen toten und die Heiligung mehr fordern, als alle geistliche Technik es zu tun vermag.

 

In Jesus Christus hat Gott den Menschen aufrichtig gemacht. Es ist besser im Glauben zu leben, als viele Künste zu suchen. Die geistliche Kunst, ein siegreiches Leben zu führen, ist ein schwacher Ersatz für den Glauben an das Evangelium. Sie heilt die Sünde nicht, sie rührt sie nur in unserem Leben auf, ohne Rücksicht auf unsere frommsten Gespräche. Wenn die Heiligung nicht auf den Glauben an das Evangelium aufgebaut ist, ist sie nur ein Ausdruck des Unglaubens. Das ist der Grund, warum ein noch so siegreiches Leben und viel Frömmigkeit nicht den Sieg über die Sünde bringt, sondern sie verewigt. Was sollte auch geschehen, wenn man dem Evangelium nicht glaubt? Wir dürfen uns nicht dem Gedanken hin-geben, daß Christus zur Rechten Gottes auf sein Volk wartet, bis es die Sünde besiegt hat. Er hat es bereits getan. Christus ist der Herr! Das ist die Verkündigung des Neuen Testaments. Die Zeit erfahrt nicht deshalb einen Verzug, damit Christus mit der Sünde fertig wird, noch damit er eine Säuberungsaktion gegen den Feind der Sünde vornehmen kann. Sie verzögert sich vielmehr, damit nicht jemand verlorengehe (2. Petr. 3, 9), sondern je-dermann Gelegenheit zur Buße findet und glaubt, was Christus für ihn getan hat. Wir können kein größeres Werk tun oder besseres Vorrecht besitzen, als der verachtete Zollner, den Jesus rechtfertigte (Luk. 7, 29). Wir werden nicht erlöst durch große geistliche Anstrengungen, sondern einfach durch Reue und Glauben.

 

Die größte Frage des Neuen Testaments ist ein­fach: »Wer glaubt unserer Predigt?« (Jes. 53, 1; Rom. 10,16). Für solche gilt die Verheißung: »Wer an ihn glaubt, wird nicht zu Schanden werden (Röm. 10, 11).

 

– This article was written by the former editor and appears in Wahrheit für Heute Vol. 5, #2.

 

 

Leserbriefe


Kürzlich hörte ich von Ihrer Bewegung »Wahrheit für Heute« und von lhrer gleichnamigen Zeitschrift. Gerne würde ich mehr erfahren. Gibt es ein Schriftchen über die Bewegung »Wahrheit für Heute? « Ich bitte Sie freundlich um Zustellung von Unterlagen und der Probenummer Ihrer Zeitschrift.

O. G., Zürich

Ich bitte Sie ganz herzlich um die Zusendung der Zeitschrift »Wahrheit für Heute«. Ware es möglich, die bisher erschienenen Hefte zu bekommen? Ich finde sie vom Thema sehr interessant! Im Voraus herzlichen Dank.  M. D., BRD

Ware es möglich, Ihre Hefte rückwirkend ab 1975 zu erhalten? Herzlichen Dank im Voraus!   J. M., Schweiz

Sie schickten mir drei Nummern von »Wahrheit für Heute«. Da- für danke ich Ihnen herzlich. Nun bitte ich Sie, mich unter Ihre Abonnenten aufzunehmen. Wenn es möglich ist, würde ich sehr gerne die englischsprachige Ausgabe neben der deutschen ebenfalls erhalten. (Es ist möglich. Die Redaktion.). Für Ihren Dienst der Verbreitung der guten und notwendigen Publikationen bin ich dankbar.                           Pfarrer C. V., Schweiz

Eine Bitte um Zeitschrift »Wahrheit für Heute«, für 1977.

Pfarrer aus Polen

Ich bitte um Zusendung eines Probeexemplars Ihrer Zeitschrift »Wahrheit für Heute«.  W. H., BRD

Ihre Zeitschrift »Wahrheit für Heute« lese ich sehr gerne. Ich hatte die Gelegenheit, ein paar Exemplare von Ihnen zu be­kommen ... Ich bitte Sie höflich, wenn es weiter geht, zusichern, damit ich weiterhin »Wahrheit für Heute« erhalte.

D. Z„ BRD

Können Sie mir auch den Anfang der Hefte senden? Ist es das Heft Klar und Wahr? (»Wahrheit für Heute« hat mit der Zeit­schrift »Klar und Wahr« nichts zu tun. Die Redaktion.)

B. S„ Zürich

Dieser Tage bekamen wir auf unsere Anfrage hin aus Fallbrook (USA) einige deutsche Ausgaben »Wahrheit für Heute« zugeschickt. Es wurden uns die Rechte, "Present Truth« ins Französische zu übersetzen und Tonbänder in Französisch herzu-stellen, zugeteilt.. . Wir haben hier einen großen deutschen Bekanntenkreis und mochten das Magazin auch in dieser Sprache verbreiten. Als Present Truth in unser Haus kam, waren es drei Dinge, die mich persönlich ansprachen.

1. Welche christliche Zeitschrift kann es sich erlauben, alle Le­serbriefe (positive und negative) zu veröffentlichen?

2. Welche christliche Zeitschrift kann es sich leisten ohne Reklame und Beitrag zu arbeiten?

3. Die Ausführung auch in gestalterischer Weise ist sehr gut. (Bezieht sich auf die englische Ausgabe. Die Redaktion.)

Es ist das beste, schrifttreueste Magazin auf diesem Kontinent, eine Stimme der Wahrheit in dieser religiösen Wildniß unserer Zeit.                                                     Ch. A., Canada

Schicken Sie mir bitte kostenlos Ihre Zeitschrift »Wahrheit für Heute«.     D. ML, Berlin

Vielen Dank für Ihren treuen Stand für Gottes Wort! Wir wünschen Ihnen Gottes Segen für 1977. Bitte senden Sie mir Ihre Zeitschrift regelmäßig, und bittet Gott um seinen Segen an un­serer Arbeit in K.   Pastor, BRD

Über Ihre Ausgabe Nr. 1/77 habe ich mich sehr gefreut. Ich bin allerdings etwas verwundert, daß Sie jetzt mehr den liberalen Gedanken den Vorzug geben. Bei der Abhandlung über das Gebiet: »Eschatologie« ist es tatsachlich unumgänglich. Das konservative Denken mancher Christen verschließt ihnen die­ses heute so aktuelle Thema.

 

Die Apokalypse des Johannes, die uns gerade heute immer mehr durch den Geist Gottes offenbart wird, ist der beste Beweis dafür, daß wir zwar immer wiederzurückblicken sollen auf die Heilstaten Gottes, aber im Hinblick auf die jetzige Endzeiteinen mehr liberalen Gedankengang uns zu eigen machen sollen und nach vorne schauen sollen und auf die Dinge achten sollen, die uns der Herr vorausgesagt hat, die wir auch jetzt zur Genüge täglich schon erfahren.   G. F., BRD

Bitte senden Sie mir ein Probeexemplar Ihrer Zeitschrift und evtl. ein Literaturverzeichnis. Für eine kurze Darlegung Ihrer grundsätzlichen Gedanken wäre ich ebenfalls dankbar.

J. 0. H., BRD

Ich habe Ihre Zeitschrift »Wahrheit für Heute« kennengelernt und mochte Sie bitten, mir diese regelmäßig zuzusenden. Al­lerdings nur, wenn sie kostenlos versandt wird. Vielen Dank für Ihre Muhe.           K. B., BRD

Ich bin ein aufmerksamer Leser Ihrer Zeitschrift »Wahrheit für Heute«. Besonders Ihre letzte Ausgabe war sehr interessant.

G. G., BRD

Lieber Br. K., es hat keinen Sinn, daß Sie mir noch mehr Exem­plare »Wahrheit für Heute« zusenden. Ich werde die Zeitschrift nicht abonnieren. Die Zeitschrift ist wesentlich von Luthers Theologie bestimmt. Das bin ich auch. Luther hat aber durch seinen Abwehrkampf gegen die Schwärmer die Eschatologie verkürzt. Das konnte man in der Reformationszeit noch verstehen, nicht aber heute.

Ich habe zwei Ausgaben gelesen: eine über den Antichristen und die über die Eschatologie.

1.  Antichrist. Es stimmt, daß wir nicht nur den Antichristen in der Zukunft erwarten sollen. Es gibt genug antichristliche Bewegungen und Antichristen heute. Das heißt aber nicht, daßwir nicht auch den zukünftigen Antichristen erwarten müssen, das Kind der Bosheit, das alles Bose und das Gericht zur Ausreifung bringt.

2.  Bei der Eschatologie sind die Irrtümer noch viel größer. Das Blatt spricht von der paulinischen Eschatologie und laßt ein Hauptstuck 1. Tessalonicher 4, 15f. einfach aus, die Entrükkung der Gemeinde. Das Blatt spricht auch von der johanneischen Eschatologie und laßt Offenbarung 20, das Friedens-reich, einfach aus. So geht es nicht.

 

Das Blatt stellt nicht die Wahrheit, sondern nur die halbe Wahr­ heit dar... Das Blatt verfallt genau wie Luther, durch die Ab- wehr schwarmgeistiger Bewegungen, in den Fehler zu verkürzen. Deutlich wird das durch Nr. 1/1976, Seite 11, in dem, was über die Wiedergeburt gesagt wird. Auch Seite 12 enthalt starke Akzentverschiebungen. Ich werde mich nie und nimmer für dieses Blatt einsetzen.                   Dr. theol. K. K., BRD

Wir leugnen nicht den Antichristen der Zukunft, wir wollten aber zeigen, daß wenn man die Prinzipien des Antichristen der Vergangenheit und der Gegenwart nicht kennt, auch den Anti­christen der Zukunft nicht zu erkennen vermag. Wir leugnen auch nicht die Entrückung, wir zeigten aber, daß in Jesus Christus die Eschatologie schon erfüllt ist, und wenn er wiederkommt, das geschehen wird, was in ihm bereits erfüllt ist, die Entrückung. Wir leugnen nicht die Wiedergeburt, son­dern setzen sie an den richtigen Platz. Die Redaktion.