Jah. 3. Nr.3

HEILIGUNG

HEILIGUNG - ihre Dauer

»... der in euch das Werk angefangen hat, der wird's auch voll-ftihren bis an den Tag Jesu Christi« (Phil. 1, 6). Die Lehre von der Heiligung ist nur fiir dieses Le-ben bedeutsam. Die Engel und solche, die bereits erlost und im Himmel sind, brauchen nicht mehr ermahnt und erinnert zu werden, Nachstenliebe, Geduld und Selbstbeherrschung zu iiben. Aller-dings werden ihre Erfahrungen und der Umfang ihrer Liebe und Wertschatzung Gottes Willen ge-genuber zu nehmen. Aber dies entspricht nicht dem Fortschritt in der Heiligung. Heiligung ist eine fortschreitende Reinigung und Absonderung von der Sunde und ein stetes Wachstum in den Eigen-schaften des himmlischen Charakters. Es gibt keine Stelle in diesem Leben, an der es nicht mehr notwendig ware, die Heiligen zu einem Leben in der biblischen Heiligung zu erinnern. Der Apostel Petrus bemerkt hierzu: »lch achte es aber fur billig, solange ich in dieser Hiitte bin, euch zu erinnern undzu erwecken« (2. Petr. 1,13). Und so¬lange wir in dieser Hutte sind, wird es notwendig sein, das zu Herzen zu nehmen, was Petrus uber die Heiligung sagt. Diese Tatsache setzt voraus, daB wir in diesem Leben niemals einen sundlosen Zustand erreichen und alssiindenloseGeschdpfe, vollig geheilt, keine Belehrung in der Heiligung mehr notig haben. Fiir solche wurde ein groBer Teil der Heiligen Schrift bedeutungslos sein. Die Bibel sagt uns unmiBverstandlich, daB vor dem Erreichen der Herrlichkeit niemand vollkommen ist. (Siehe Romer 8, 17-25.) »Heiligung ist Herr¬lichkeit im Samen, und Herrlichkeit ist Heiligung in der Blute.« (Thomas Watson, A Body of Divinity, London, Banner of Truth, 1970). Keiner der Pro-pheten oder Apostel behauptete, sundloszu sein. Der Apostel Paulus schrieb: »Nicht daG ich's schon ergriffen habe oder schon vollkommen sei; ich jage ihm aber nach, ob ich's wohl ergreifen mochte, nachdem ich von Christus Jesus ergriffen bin. Meine Briider, ich schatze mich selbst noch nicht so ein, daB ich's ergriffen habe. Eins aber sage ich: Ich vergesse, was dahinten ist, und strecke mich nach dem, das da vorne ist, und jage nach dem vorgesteckten Ziel, nach dem Kleinod der himmlischen Beru-fung Gottes in Christus Jesus« (Phil. 3, 12-14). In diesem Leben gibt es keinen Punkt, an dem wir sagen konnen: Ich habe es vollig erreicht. Das Ge-setz Gottes fordert immer noch eine groBere Heili-gung, als sie je einem Heiligen eigen ist. Wie hoch auch immer die Hohen seines geheiligten Lebens sein mogen, die er zu erklimmen vermag, das Ge-setzstehtnoch holier und fordert, nochheiligerzu sein. Daher: »Durch das Gesetz kommt Erkenntnis der Sunde« (Rom. 3, 20), und so wird es immer bleiben in diesem Leben.

< DieTatsache, daB wirin diesem Leben immer wie-der aufgefordert werden, in dem ProzeB der Heili-gung bis zur Herrlichkeit fortzufahren, genugt, urn unser Verlangen nach Vollkommenheit in diesem Leben aufzugeben. Da gibt es auch keine voll-kommene Heiligung im sogenannten »zweiten Segen« - es sei denn, man versteht unter dem »zweiten Segen«, wie es das Neue Testament tut, das zweite Kommen Christi und die Herrlichkeit. Es bedeutet ein seltsames Abgleiten, wenn einige Christen, die in Verbindung mit dem Gedachtnis-mahl des Herrn die FuBwaschung praktizieren und dennoch fiir die Lehre des Perfektionismus emp-fanglich sind. Christi FiiBe wurden nicht gewa-schen, denn er war ohne Sunde. Der Grund, warum den Jiingern die FiiBe gewaschen werden muBten, war, weil sie noch Sunder waren, obwohl sie zu Christi Jungern zahlten. Was wurde die FuBwaschung heute bedeuten, wenn sie nicht von dem Bekenntnis der personlichen Schuld und der Notwendigkeit einer fortgesetzten Reinigung durch Christus begleitet ware? Warum die Heiligung das ganze Leben lang an-dauern muB: Viele evangelische Verkundiger haben durch eine falsche Begrundung der Heiligung die VerheiBun-gen des Evangelims kraftlos gemacht. Sie sagten: »Wenn du das Kreuz Christi erhohst, iiber die Liebe Gottes und die freie Gnade der Erlosung sprichst, dann kommt die Heiligung von selbst. Wenn die Menschen das Evangelium annehmen, werden sie so voller Dankbarkeit sein, daB sie nicht ermahnt werden miissen, urn ein Leben der Heiligung zu fiihren.« Was sollen wir uber solche Ratschlage sagen? Paulus war gewiB nicht zuf rieden, nur das Evange-lium zu predigen und die Heiligung und die guten Werke auBer acht zu lassen. In seinen Briefen er-innerte er die erlosten Gemeinden immer daran, was geschehen war und was ihnen durch das Evangelium zuteil wurde. Doch damit horte er nicht auf. Er beniitzte das Evangelium fur be-stimmte Aufrufe zu einem Gott wohlgefalligen Verhalten. Es gibt einen fundamentalen Grund, warum die Gemeinde stets belehrt und erinnert werden muB, was ein Leben der Heiligung ausmacht. DerGrund liegt in der sundhaften menschlichen Natur. Selbst die Besten von Gottes Volk haben noch ein Herz, das ruckfallig wird, und stehen in Gefahr, Gottes Liebe und des Menschen Pf licht zu verges-sen.

Der groBe puntanischeTheologe John Owen sagt: »Wir miissen auch feststellen, daB die Heiligung nicht nur auf dieses Leben begrenzt ist, sie gent auch ein in die Ewigkeit und indie Herrlichkeit. Der Tod hat keine Macht, sie zu vernichten oder sie uns zu entziehen. Ihre Taten sind tatsachlich vergang-lich, doch ihre Frucht bleibt als Lohn. Die in Christus sterben, ruhen von ihrer Arbeit, und »ihre Werke folgen ihnen nach« (Offb. 14, 13). »Denn Gott ist nicht ungerecht, daB er vergesse euresWerkesundderl_iebe« (Hebr. 6,10). Esgibt keine Frucht der Heiligung, nicht die geringste, nicht einmal das Uberrei-chen eines »Bechers kalten Wassersan einen der JiingerChri-sti«, die nicht eine ewige Belohnung hat. Nichts gent verloren, alle BruchstiJcke werden zusammengetragen und bewahrt fur die Ewigkeit. Jedes Ding in der Welt- wie wertvoll es auch im-mer sein mag - wird verbrannt werden »wie Heu und Stop-peln«, wenn zuletzt die verborgene Frucht der Heiligung wie »Gold undSilber« in GottesSchatzkammergesammelt undein Teil des Reichtums und des Erbes der Herrlichkeit der Heiligen wird. Kein Mensch braucht zu furchten, daB auch nur eine Pflicht in der Heiligung, der allergeheimste Kampf gegen die SiJnde, die inwendige Reinigung, die auBerste Frucht, das Ab-sterben der Sunde, der Widerstand in der Versuchung, die Selbstverleugnung oder die Zufriedenheit verlustig gingen -alles, was wir wissen oder nicht wissen, soil lebendig und un-vergessen in der ewigen Belohnung erhalten sein.« John Owen, The Holy Spirit: His Gifts and Power (Grand Rapid-sa: Kregal Publications, 1967) pp 224-225 Hat Luther die guten Werke miBachtet? Hort! »Au3erhalb des Artikels der Rechtfertigung kbnnen wir die Werke, die Gott befohlen hat, nicht genug loben und erhohen. Denn wer konnte den Gewinn und die Frucht eines guten einzi-gen Werkes geniigend ruhmen und ausdrucken, die ein Christ durch den Glauben und im Glaubentut? In derTat, sie ist wert-voller als der Himmel und die Erde« (St. L IX: 442 f.). Wir lehren, daB die Versohnung mit Gott, die uns gerecht macht, die Siinde austilgt, so groB und herrlich ist, daB sie nur Christus als Sohn Gottes allein ausfCihren konnte. Ja, es ist wahrlich eine so reine, besondere und einzigartige Tat des wahren Gottes und seiner Gnade, daB unsere Werke vollig ver-blassen und nichts ausrichten konnen. Aber ohne die guten Werke ware diese Tat nichts und keinen Pfennig wert. Wer konnte so etwas predigen als nur der lugenhafte Mund des Teufels? Ich wiirde nicht eine meiner Predigten, meiner Ab-handlungen und meiner Vorlesungen aufgeben, auch nicht ei¬nes meiner Gebete, wie gering sie auch gewesen sein mogen, und alles, was ich getan habe Oder noch tun werde- nicht fur alle Reichtumer der Welt« (Zitiert durch F. Pieper, Christian Dogmatics, Vol. 3. pp. 59, 60).

HEILIGUNG - ihre Notwendigkeit

Es genugt nicht, nur den Wert der Heiligung zu se-hen, wir mussen auch ihre absolute Notwendig¬keit im Erlosungsplan erkennen. Es gibt viele Glaubige, die ihren Wert anerkennen und auch zustimmen, daB man sie aus Dankbarkeit dem Evangelium gegenuber im Leben praktizieren sollte. Sie haben aber eine so drastische Trennung zwischen Rechtfertigung und Heiligung vorge-nommen, daB es scheint, als konne ein Mensch die Heiligung entbehren und doch selig werden. Sie erscheint als etwas, das gut ist im Leben zu tun, daB es aber jedem freisteht, sich ihr zu unterzie-hen oder auch nicht. Sie ist also gut fur dieses Le¬ben, fur das ewige Leben ist sie jedoch nicht not-wendig. Das ist evangelischer Antinomismus (Ge-setzlosigkeit) in iibelster Form, die heute leider in vielen Kreisen der Kirche urn sich greift. Wir wollen in zwei Punkten die Notwendigkeit der Heiligung herausstellen. 1. - als einen Teil der Erlosung Man sagt, daB die Heiligung die Frucht der Erlo-sung ist. Damit ist aber die absolute Notwendig¬keit, wie sie die Bibel herausstellt, nicht bekraftigt. Die Bibel lehrt: »Jaget nach der Heiligung, ohne die niemand den Herrn sehen wird« (Hebr. 12, 14). »... daB euch Gott erwahlt hat von Anfang zur Seligkeit, in der Heiligung durch den Geist und im Glauben andieWahrheit« (2. Thess. 2, 13). Obwohl es richtig ist, daB kein Mensch durch die inwendige Heiligung erlost werden kann, so ist es ebenso richtig, daB niemand ohne sie gerettet werden kann. Heiligung ist demnach nicht nur eine Frucht der Erlosung, sie ist auch ein Teil von ihr. Wir mussen diesen Punkt richtig erfassen, denn er ist lebenswichtig. Er verlangt daher eine sorgfaltige Erwagung. Wenn er richtig verstanden wiirde, dann wurde er in vielen evangelischen Kreisen, in denen allzu viele auf dem Polster der Erlosung ausruhen, eine Revolution hervorrufen. Ohne Heiligung hat man keine wirkliche Hoffnung auf Erlosung. Die Erlosung hat zwei Seiten. Einmal ist man von etwas erlost, zum andern zu etwas. Israel war vom Frondienst in Agypten erlost, urn Gott in der neuen Theokratie zu dienen.

Wir sind erlost: von der Siinde zur Gerechtigkeit, vom Tod zum Leben, von der Schuld zur Unschuld, von der Verdammnis zur Rechtfertigung, vom Ungehorsam zum Gehorsam, von der Befleckung zur Reinheit, von der Unreinheit zur Heiligung.

Deshalb sagt die Bibel: »daB wir, erloset aus der Hand unserer Feinde, ihm dienten ohne Furcht unser Leben lang.« (Luk. 1, 74). »Das Blut Jesu Christi... reinigt unser Gewissen von den toten Werken zu dienen dem lebendigen Gott« (Hebr. 9, 14). Die Glaubigen sind »vom Gesetz loszu dienen im neuen Wesen des Geistes« (Rom. 7, 6). Das meint, wenn wirGottes Erlosung im Glauben an-genommen haben, dann wird uns ein neues Leben im Gehorsam in der Heiligung zuteil. Dieser Punkt ist von dem Puritaner Walter Mar¬shall in seinem Buch »The Gospel Mystery of Sanctification« machtig herausgestellt worden. Es wird oft gesagt, daB in diesem Buche die Heili¬gung am besten beschrieben worden ist, wie sie je in englischer Sprache nierdergeschrieben wurde. Marshall sagt: «Manche lehren aus der Schrift, daG wir nur durch den Glauben ohne Werke gerettet sind, und sie fuhlen sich daher nur zur Dankbarkeit dem Evangelium gegenuber verpflichtet. Sie ver-nachlassigen den Gehorsam zu den Geboten und meinen, er sei furdie Erlosung nicht erforderlich. Siezweifeln nichtdaran, daB sie durch die Gnade vollig schuldlos sind und sind einem starken Antinomismus (Gesetzlosigkeit) verfallen. Sie betrach-ten ihn als einen Teil der Freiheit, durch die sie Jesu Blut von den Banden des Gesetzes erlost hat. Sie machen sich in ihren Gesprachen keinen Gedanken iiber den Bruch des Gesetzes. Obwohl die Erlosung wegen ihrer GrolBe und ihres herrlichen Zustandes in der Schrift oft geruhmt wird, verstehen wir sie in ihrer vollen Bedeutung nur als Befreiung von unserem verdor-benenZustand und die hierauf folgenden heiligen und gliickli-chen Segnungen in dieser Welt nur durch Glauben, und erst in der kommenden Welt als Wirklichkeit in Herrlichkeit. So sind die Rechtfertigung, die uns durch die Vorteile der An-nahme die Kindschaft Gottes bringt und die Gabe des Heiligen Geistes, der als Folge dieser Annahme in uns Wohnung nimmt, Teile unserer Erlosung, der wir in diesem Leben teilhaftig wer¬den. DieObereinstimmung unsererHerzen mitdem Gesetz und die Friichte der Gerechtigkeit, mit denen wir durch Christus in diesem Leben erfullt werden, sind demnach notwendige Teile unserer Erlosung. Gott erloste uns von unserer sundhaften Un-reinigkeit durch das Bad der Wiedergeburt und der Erneu-erung des Heiligen Geistes von der Verdammnis (Hes. 36, 29; Tit. 5, 5).

Christus wird Jesus geheiBen, »denn er wird sein Volk selig machen von ihren Siinden« (Matth. 1,21). Darum istdieBefrei-ung von Siinden, die in diesem Leben durch die Rechtfertigung begonnen hat, durch die Heiligung fortgesetzt wurde und in derVerherrlichung im kommenden Leben vollendet ist, einTeil unserer Eriosung . .. Obwohl wir durch die guten Werke nicht gerettet werden, so sind wir doch zu guten Werken, als Frucht der rettenden Gna-de, »dieunsGottzuvor bereitet hat, daB wir in ihr wandeln soli-ten" (Eph.2,10), gerettet. Es isttatsachlich einTeil unserer Er¬iosung, von den Fesseln des Werkvertrages befreit zu sein. Je-doch nicht urn in der Sunde zu beharren (was die schlimmste Sklaverei ware), sondern urn unser Leben nach dem konigli-chen Gesetz auszurichten, so daB wirfortan »im neuen Wesen des Geistes und nicht im alten Wesen des Buchstabens die-nen« (Gal. 5,13; Rom. 7, 6). Die Heiligung istdemnach notwen-dig, urn uns zu Teilhabern des Erbes der Heiligen im himmli-schen Licht und der Herrlichkeit zu machen, »ohne die nie-mand den Herrn sehen wird« (Hebr. 12, 14). Ohne derselben waren wir in der herrlichen Gegenwart Gottes wie Schweine im Audienzsaal eines irdischen Fursten. GroBeScharen unwissender Menschen, die meinen unterdem Evangelium zu leben, verharten ihre Herzen in Siinden und zerstoren ihreSeelen durch ein miBverstandenes Vertrauen zu Jesus in einer vorgetauschten Eriosung, die durchaus nicht der Heiligung entspricht, sondern nur auf Vergebung der Sunden und Befreiung der Strafe von den ewigen Qualen hofft. Sie mochten von der Strafe der Sunde frei sein, lieben aber die Lii-ste der Welt so sehr, daB sie Heiligkeit hassen und nicht vom Dienste der SCinde ablassen wollen. Manche meinen, sie muB-ten die Heiligung ablehnen, urn nicht das Vertrauen an die Er¬iosung durch Christus zu leugnen. Das Gegenteil ist der Fall. Nur der kann wirklich auf die Eriosung vertrauen, dersich von Herzen wiinscht, heilig undgerechtzu werden. Wem Gott auch immerdie Eriosung schenkt, die Heiligung wird immerein Teil von ihr sein. Wenn uns Christus von der Befleckung der Sunde nicht rein wascht, »so haben wir keinen Teil an ihm« (Joh. 13, 8). Was fur eine selfsame Eriosung erwarten solche, die nicht acht haben auf die Heiligung? Doch lassen wir uns nicht tauschen, Gott laBt sich nicht spotten. Sie wissen nicht, was wahre Erio¬sung ist, und sie wissen nicht, daB sie in einem vollig verlore-nen Zustand sind. In ihrer groBen Sunde vertrauen sie auf Je-sum nach derVorstellung ihres Verstandes, und deshalb ist ihr Vertrauen Selbsttauschung. Das wahre Evangelium schafft in unseren Herzen ein Verlangen nach Christus und einen Durst, vom lebendigen Wasser zu trinken (Joh. 7, 38. 39). Dann wer¬den wir ernstlich hinausschreien, urn nicht nur vor der Ver-dammnis, sondern auch von der Macht der Sunde gerettet zu werden. »Lehre mich tun deinen Willen . . . dein Geist ist gut. ..« (Ps. 143, 10). »Bekehremich,so werdeich bekehrt« (Jer. 31,18). »Schaffein mir, Gott, ein reines Herz und gib mir einen neuen, gewissen Geist« (Ps. 51, 12). Das ist die Weise, wie die Heiligung das Notwendige fur das Leben tut und wie der Glaube an Jesu uns nbtigt, siezu suchen. Sie ist ein wesentlicher Bestandteil unse¬rer Eriosung, die uns ohne Verdienst allein durch Gnade zuteil wird.« (Walter Marshall, The Gospel Mystery of Sanctification London, Edinbourgh, Oliphants Ltd. 1954) pp. 98-101. 2. - als eine Tauglichkeit fur den Himmel Die Heiligung ist eine notwendige Vorbereitung fCir den Himmel. Durch sie hat der Himmel in unse¬rer Seele bereits begonnen. Ohne sie wird kein Mensch tauglich, sich des Lebens im Himmel zu erfreuen. Es wurde schwer fallen, dies besser aus-zudrucken, als es Bischof J. C. Ryle getan hat. Er schrieb:

< »... wir miissen heilig sein, denn ohne Heiligung hierauf Erden werden wir uns niemals des Himmel erfreuen. Der Himmel ist ein heiliger Ort. Der Herr des Himmels ist ein heiliges Wesen. Die Engel sind heilige Geschopfe. Auf allem im Himmel ist Hei¬ligkeit geschrieben. Das Buch derOffenbarungsagtausdriick-lich: »und es wird nicht hineingehen etwas Gemeines und das da Greuel tut und Liige« (Offb. 21, 7). Ich rufe jeden, der diese Zeilen liest, feierlich auf, wie kann er sich im Himmel zu Hausefiihlen, wenn er hierauf Erden unhei-lig ist. DerTod und das Grab bringen keineAnderung mehr. Wo wird sein Platz sein, wenn ihm die Heiligung hier auf Erden fremd ist? Nehmen wir an, es wurde euch erlaubt sein, ohne Heiligkeit den Himmel zu betreten. Was wurdet ihr dort tun? Was fur eine Freude hattet ihr dort? Mit welchem Heiligen wurdet ihr euch anfreunden? Ihre Freude ist nicht eure Freude, ihr Geschmack ist nicht euer Geschmack, ihr Charakter ist nicht euer Charak-ter. Wie konntet ihr euch dort gliicklich fiihlen, wenn ihr nicht jetzt auf Erden heilig seid? Ihr liebt, was die Welt liebt. Ihr liebt die Gesellschaft der Leichtfertigen, der Sorglosen, der weltlich Gesinnten mit ihren Begierden, die Vergnugungssuchenden, die Gottlosen und die Ungeistlichen. Solche werden nicht im Himmel sein. Ihr denkt vielleicht, Beten, Bibellesen, dustere, melancholische Lieder singen, welch eine unbefriedigende Welt. Ihr nehmtes vielleicht eine kleineZeithin, aberes befrie-digt euch nicht. Ihr sagt, der Sabbat ist langweilig und eine Last, und ihr konnt nur eine kurze Zeit im Gebet verbringen. Doch der Himmel ist ein nie endender Sabbat. Seine Bewohner werden niemals ruhen, weder am Tage noch des Nachts und immer rufen: »Heilig, heilig, heilig ist der Herr Zebaoth«, und sie werden Loblieder dem Lamme singen. Wie konnte ein un-heiliger Mensch daran Freude finden? Denkt daran, was wurde ein solcher Mensch empfinden, wenn er David, Paulus und Johannes begegnete, nach einem Leben, das den ihren in so vielem entgegengesetzt war? Wurdet ihr suBeGesprachemit ihnen fuhren undfeststellen, daB ihrvieles gemeinsam habt? Oberlegt, ob es euch Freude machen wurde, Jesus, dem Gekreuzigten, zu begegnen? Dem, der die Sunde iiberwunden, der fur sie gestorben ist, der seine Feinde liebte, wahrend ihr seine Freunde verschmaht habt? Konntet ihr vor IHM stehen und mit Freuden ausrufen: »Dies ist unser Gott, auf den wir gewartet haben, daB wir uns freuen und frohlich seien in seinem Heil?« (Jer. 25, 9). Meint ihr nicht, daB die Zunge ei-nes Unglaubigen lieber im Munde steckenbliebe vor Scham, und ihr nur den einen Wunsch hattet, von diesem Ort verbannt zu sein? Ihr wurdet euch als Fremde fOhlen in einem Land, das ihr nicht kennt. Ihr wurdet euch vorkommen, wie schwarze Schafe mitten in der Herde Christi. Die Stimme der Cherubime und Seraphine und aller himmlischen Bewohner, als auch der Gesang der Engel wurde fiir euch eine Sprache sein, die ihr nicht versteht. Die himmlische Luft ware fur euch ein Atem, an dem man erstickt. Ich weiB nicht wie andere daruber denken, aber mir scheint, daB der Himmel ein schlechter Ort fur unheilige Menschen ist. Das kann nicht anders sein. Die Menschen mogen in einer ver-schwommenen Weise sagen: »lch hoffe, in den Himmel zu kommen.« Aber sie iiberlegen nicht, was sie sagen. DamuBSi-cherheit »im Erbe der Heiligen des Lichts« sein. Ihre Herzen miissen damit iibereinstimmen. Urn die Herrlichkeit zu erlan-gen, mCissen sie durch die Schule der Erziehung in der Gnade hindurch. Sie miissen himmlisch gesinnt sein, himmlische In-teressen haben. Jetzt miissen sie heilig sein in dieser Welt, an-sonsten werden sie das himmlische Leben, das da kommen soil, nicht erreichen. Ehe ich fortfahre, laBt mich einige Worte sagen, wie man dahin gelangt.

1. Ich mochte dich, der du diese Zeilen liest, fragen, bistdu hei¬lig? Ich flehe dich an, denke nach, ob du etwas von dieser Hei¬ligkeit besitzt, fiber die wir eben gesprochen haben. Ich frage dich nicht, ob du regelmaBig die Gottesdienste besuchst. Ich frage nicht, ob du getauft bist. Ich frage nicht, ob du an dem gemeinsamen Gedachtnismahl teilnimmst. Ich frage nicht, ob du den Namen »Christ« tragst. Ich frage dich, bist du heilig